**Perspektivenwechsel:**
Das Trauma ist nicht das Feuer – es ist der Rauch. Die meisten Menschen glauben, dass das Trauma ihre Not verursacht. Das Trauma ist aber ein Signal, das auf tiefere, bereits vorhandene psychologische Abwehrmechanismen hinweist. Das eigentliche „Feuer“ ist die Verdrahtung und Anpassungsstrategie, mit der wir geboren wurden – das Trauma offenbart lediglich, wo die Abwehr nicht mehr funktioniert. Bei der Heilung geht es nicht darum, das Trauma zu beseitigen, sondern zu verstehen, was es zu schützen versuchte.
Man wächst nicht trotz seiner Verdrahtung – man wächst durch sie hindurch. Viele von uns betrachten Eigenschaften wie Angst, Furcht oder Scham als Dinge, die es zu „beheben” gilt. Es zählt jedoch, dass jeder von uns mit einem bestimmten Temperament und einer bestimmten Abwehrstruktur vorprogrammiert ist. Wachstum beginnt, wenn wir akzeptieren, wer wir im Kern sind, anstatt dies zu umgehen oder abzulehnen. Man heilt nicht, indem man jemand anderes wird – man heilt, indem man eine integriertere Version dessen wird, was man bereits ist.
Ihre Autobiografie ist ein lebendiges System – und Sie können sie umschreiben. Unser Selbstverständnis ist im Grunde ein narrativer Prozess, keine feststehende Wahrheit. Traumatische Erinnerungen neigen dazu, diese Geschichten in starren, selbstlimitierenden Mustern einzufrieren. Aber die Erzählung ist plastisch – wir können unsere Geschichten im Lichte neuer Erkenntnisse neu interpretieren, aktualisieren und sogar transformieren. Diese narrative Flexibilität ist der Schlüssel zum posttraumatischen Wachstum.
Resilienz und Trauma sind beides Formen der Erinnerung – und wir bauen sie unterschiedlich auf. Trauma-Lernen ist eine Art Sensibilisierungsgedächtnis – es macht uns mit der Zeit reaktiver. Resilienz-Lernen ist das Gegenteil: Es verbindet uns damit, unsere Reaktivität durch erfolgreiche Anpassung zu verringern. Das Erkennen beider als trainierbare Gedächtnissysteme eröffnet neue Möglichkeiten, unser Nervensystem in Richtung Stärke und Flexibilität neu zu vernetzen.
**Schlüsselfragen:**
Hier sind einige Fragen, über die Sie nachdenken können.
Welche Geschichten erzähle ich mir selbst darüber, wer ich bin – und woher kommen diese Geschichten? Sind sie von Schmerz, Scham oder Angst geprägt? Tragen sie zu meinem Wachstum bei oder halten sie mich klein?
Welche Teile von mir selbst fällt es mir schwer zu akzeptieren? Lehne ich bestimmte Eigenschaften (z. B. Sensibilität, Angst, Wut, Wettbewerbsdenken) ab, weil mir beigebracht wurde, dass sie falsch sind? Wie könnten diese Eigenschaften transformiert statt ausgelöscht werden?
Habe ich mein Trauma mit meiner Identität verwechselt? Wo sage ich „so bin ich eben”, obwohl es sich in Wirklichkeit um eine festgefahrene Erzählung handeln könnte, die durch Schmerz geprägt ist?
Wie reagiere ich, wenn ich mich getriggert fühle? Reagiere ich automatisch oder kann ich den Auslöser mit Neugier und Mitgefühl beobachten? Wer beobachtet diese Reaktion?
Wenn ich emotionale Belastung verspüre, kann ich diese auf eine tiefere Überzeugung oder Abwehr zurückführen? Was könnte das „Feuer” hinter dem „Rauch” meiner Reaktionen sein?
Arbeite ich gegen mein wahres Ich oder wachse ich durch mein wahres Ich? Habe ich die Person, als die ich geboren wurde, vollständig akzeptiert? Versuche ich zu heilen, indem ich jemand anderes werde – oder indem ich mehr ich selbst werde?
Wie ist meine Beziehung zur Angst? Vermeide ich sie, betäube ich sie, überspiele ich sie oder gehe ich mit ihr um? Wie navigiere ich zwischen Angst und Mut?
Wenn ich auf meine vergangenen Schmerzen zurückblicke, kann ich Momente posttraumatischen Wachstums finden? Welche Weisheit, Stärke oder Klarheit sind aus diesen Erfahrungen hervorgegangen?
Habe ich Geschichten über meine Familie, meine Kindheit oder meine Kultur, die neu geschrieben werden müssen? Wie würde es sich anfühlen, die „Lebensenergie” meiner Vorfahren zu empfangen, auch wenn sie durch Unvollkommenheit zustande gekommen ist?